Wie wichtig Yoga für dich ist | Charleen Fabian | LEISEmagazin

Ich konnte so nicht mehr weitermachen und fing an aufzuräumen. Innerlich und äußerlich. Ich nahm mir Zeit für mich. Yoga und Meditation haben mir geholfen meine Gefühle bewusst anzunehmen und Ereignisse aus meiner Kindheit loszulassen.

Charleen Fabian, Yogalehrerin

Liebe Charleen, wie schön, dass du an unserem Format 5 LEISEfragen teilnimmst. Yoga gilt als gesunde Bewegungsform für Geist und Körper. Du bietest Menschen in deinen Yogastunden – online wie offline – einen Ausgleich zum stressigen Alltag und den Herausforderungen unserer digitalen Zeit. Glücklicherweise ist Yoga mittlerweile in der Mitte angekommen. Warum sollte man deiner Meinung nach Yoga in seinen Alltag integrieren?

Durch Yoga stärken wir nicht nur unser Immunsystem und harmonisieren unser Nervensystem, wir bauen eine innere emotionale Stabilität auf. Wir sind fokussierter, ruhiger und dennoch kraftvoller. Es ist bereits in mehreren Hirnforschungen bewiesen worden, dass Yoga und Meditation den Blutdruck senken, Stresssymptome lindern, und bei Schlafstörungen oder auch bei chronischen Schmerzen Hilfe bieten.

Wir sind ja nicht gerade eine Gefühlskultur, im Gegenteil. Wir haben unser Bewusstsein ins Außen verlagert und suchen unser Glück in Dingen oder anderen Äußerlichkeiten. Dadurch wollen wir die ständige Kontrolle über alles, was passiert. Durch diese Anspannung und ständige Aktivität fehlt uns der Ausgleich. Wir fühlen uns gestresst, ausgelaugt oder einfach müde.

Wir können durch eine regelmäßige Praxis lernen, bewusster zu werden und fangen dadurch an, wieder zu spüren und unsere Aufmerksamkeit nach Innen zu richten. Sogar mentale Krankheiten wie Depression oder Burnout, können durch verschiedene Yoga & Meditations- und Atemtechniken nachhaltig heilen.

Bewusst Yoga zu praktizieren, bedeutet für mich, bei sich selbst anzukommen, unabhängig davon ob wir auf der Matte sind oder nicht. Durch die Praxis können wir erkennen, wer wir sind und uns frei machen von Erwartungen, wie etwas zu sein hat. Wir machen uns frei von gesellschaftlichen Konstrukten oder von Oberflächlichkeiten. Wir fühlen, was wir fühlen und nicht mehr, was wir fühlen sollten. Anfangs mag es herausfordernd sein, doch nachhaltig fühlt sich unser Körper vital, frisch und energiereich an. Wir werden flexibler und steigern somit automatisch unser inneres Wohlbefinden.

Wir lernen bewusster zu atmen, verantwortungsvoll und liebevoll zu uns selbst zu sein. Dadurch gelangen wir in ein gesundes Gleichgewicht.
Es ist bereits mehrfach wissenschaftlich bewiesen, wie nachhaltig sich eine regelmäßige Yoga- & Meditationspraxis auswirken kann. Wenn wir diese Bewusstheit erlangen und in unseren Alltag integrieren, sind wir unabhängiger, glücklicher, gesünder und einfach gelassener. Ein nachhaltiger gesunder Ausgleich für unseren Alltag.

Der Blick nach innen

Du findest für dich immer wieder die Zeit, unterschiedlichste Stile in deinen Tagesrhythmus einfließen zu lassen. Vielen fällt es zunehmend schwer, die Matte auszurollen und anzufangen. Dabei wissen wir, dass es uns gut danach geht, doch dieser innere Schweinehund liegt schon vor uns auf der Matte. Wie schafft man es, eine Langzeitmotivation aufzubauen und diese zu halten?

Ja das kenne ich persönlich sehr gut. Ich glaube, ist am Anfang wichtig, sich nicht allzu viel Druck zu machen und es viel mehr aus einem Zustand der Freude heraus zu machen. Ich glaube, wenn es uns bewusst ist, welche Wohltat es für unseren Körper und uns selbst ist.

Es ist ein Geschenk, dass wir einen Körper haben. Es ist ein Geschenk, flexibler zu werden und uns in unserem Körper einfach wohl, fit und gesund zu fühlen. Das breitet sich auf alle Lebensbereiche aus. Wir lernen unseren Körper kennen, testen und erweitern unsere Grenzen und bauen innere Kraft und Ruhe auf. Wir nehmen uns Zeit, bewusst nach Innen zu schauen und geben uns selbst die Wertschätzung, um gesund zu bleiben oder zu werden. Es ist wichtig, zu erkennen, was der wahre Grund der Yoga Praxis ist. Was ist dein Ziel? Mit einem Ziel lässt sich eine regelmäßige Yogapraxis leichter umsetzen.

Meine 5 Tipps für eine Langzeitmotivation wären für den Anfang

NIMM DIR ZEIT

Nimm dir am Anfang bewusst Zeit und setze dir Ziele in kleinen Schritten. Je nachdem wie es dein Alltag zu lässt, jeden Morgen oder Abend 10 Minuten für Yoga & Meditation nur für dich. Teste aus, was dir guttut. Probiere verschiedene Yoga Stile oder Meditationstechniken aus.

FREUDE

Komme in ein Zustand der Freude und mache dir bewusst, dass du dir nachhaltig etwas Gutes damit tust.

WERDE FREI

Mache dich frei von Erwartungen, Idealbildern oder von inneren Schuldgefühlen, falls du es mal nicht in deine Lieblingsasana schaffst.

ONLINE YOGA

Online Yoga ist ja derzeit der Hit! Das gibt uns gerade die Möglichkeit vom Wohnzimmer oder von überall aus Yoga zu praktizieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Da gibt es keine Ausreden mehr. 🙂

(Charleen´s Link zur ihrem Online Yoga Programm findet sich am Ende vom Artikel. D. Red.)

ZUSAMMEN

Verabrede dich mit Freunden oder Gleichgesinnten zum Yoga, ob offline oder online.

Lifestyle oder Mindstyle?

Yoga wird von vielen Seiten mittlerweile als ein Lifestyleprodukt gesehen, wobei der eigentliche Zweck für das innere Gleichgewicht für Körper und Seele entfällt. Viele die erst anfangen, haben das Gefühl, sich teilweise in der Fitnessbranche wiederzufinden. Wie vermittelst du deinen Schüler*innen, dass wir nicht nach links und rechts schauen brauchen (um uns zu vergleichen), sondern unseren eigenen Raum kreieren dürfen?

Es ist normal, dass wir uns manchmal mit anderen Menschen vergleichen. Vor allem auf der Matte. Wichtiger ist es, sich darüber bewusst zu werden und sich dadurch nicht schlechter zu machen und zu resignieren. Yoga ist für alle und ich arbeite selbst immer daran, die Asanas (Haltungen) anpassungsfähig und modern zu gestalten und Alternativen anzubieten.

Es geht darum sich wohlzufühlen. Wenn du dich in einer Yogastunde nicht wohlfühlst, dann ist es noch nicht das Richtige. Es gibt viele wundervolle Lehrer*Innen und Stile und für jeden genau die passende Yoga & Meditationspraxis.

Ein kleiner Tipp, komme mit deiner Aufmerksamkeit immer wieder zurück zu dir selbst und auf deine Matte. Fühle in deinen Körper und wisse, dass du jederzeit eine Pause machen kannst, wenn es dir zu viel wird. Respektiere deinen Grenzen und habe Freude bei dem, was du tust. Schicke immer wieder ein Lächeln in deine Innenwelt.

In meinen Yoga- & Meditationssessions ist es mir sehr wichtig, meine Schüler*Innen ein gutes und entspanntes Gefühl zu vermitteln. Jeder darf sich in seinem Körper wohlfühlen, genauso wie er ist. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen des Körpers zu respektieren und innere Gelassenheit und Entspannung zu vermitteln.

Krisenhelfer

Du selbst hast Anfang 2020 eine schwere innere Krise durchlebt und dich neben vielen Sinnfragen, auch körperlichen Signalen gestellt. Magst du uns erzählen, um was für eine Krise es sich bei dir handelte und welche Rolle Yoga dabei spielte?

Kurz gesagt, ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Ich war ausgelaugt. Ich hatte Erwartungen an mich selbst, denen ich nicht standhalten konnte und es gab Ereignisse aus meiner Vergangenheit, die wieder hochkamen und nach Aufmerksamkeit verlangten. Angst und Panikattacken machten es mir schwer die Nacht zu überstehen. Ich konnte mich kaum auf den Beinen oder die Augen offen halten. Es war ein schleichender Prozess, bis es irgendwann nicht mehr ging.

Ich verschwand innerlich in einem Berg tiefer Traurigkeit. Ich war wütend, weil ich so ausgelaugt war und es nicht wahrhaben wollte. Ich war wütend, weil ich es allen Recht machen wollte, außer mir selbst. Ich arbeitete viel und unterdrückte meine Gefühle, sagte nicht, was ich wirklich fühlte, sondern schluckte es lieber runter. Es fiel mir sehr schwer, loszulassen.

Ich konnte so nicht mehr weitermachen und fing an aufzuräumen. Innerlich und äußerlich. Ich nahm mir Zeit für mich. Yoga und Meditation haben mir geholfen meine Gefühle bewusst anzunehmen und Ereignisse aus meiner Kindheit loszulassen. Ich hörte auf gegen mich selbst anzukämpfen. Es schien, als ob sich ein tiefer Teil in mir sich nur danach gesehnt hat. Es half mir, aus dieser Krise herauszukommen und einen neuen Lebensstil zu führen. Loslassen war der Schlüssel und Yoga lehrt mich jeden Tag darin.

Ich spürte, wie sich meine innere Welt veränderte. Ohne Yoga und einen sehr starken Willen, wäre ich niemals so schnell aus dieser Krise herausgekommen. Deswegen ist es mir aktuell umso wichtiger, anderen bei einer regelmäßigen und bewussten Praxis zu unterstützen.
Wir brauchen in solchen Phasen einen starken Willen und die Bereitschaft, unsere Vergangenheit und das was wir zu sein scheinen, loszulassen. Immer und immer wieder. Dann erschließt sich das, was wir wirklich wollen und wer wir wirklich sind.

Yoga, was?

Wer zum ersten Mal Yoga praktiziert, steht vor einem Schilderwald aus Hatha, Yin, Vinyasa und vielen Flows. Die richtigen Unterschiede sind für den Beginner nicht direkt ersichtlich. Wenn jemand für sich das wunderbare Feld Yoga erschließen und ausprobieren möchte, was würdest du ihm/ihr raten, wie man beginnen sollte und was am Anfang wichtig ist?

Am Anfang ist es wichtig, sich frei zu machen von jeglichen Erwartungen. Was ist das eigentliche Ziel und was möchte durch Yoga & Meditation erreicht werden? Je nach dem wie die einzelnen und individuellen Ziele und Bedürfnisse sind, so kann auch der entsprechende Stil ausgewählt werden.

Stehst du eher auf heiße und schwitzige Yoga Sessions, wo dein inneres Feuer so richtig brodelt, dann wäre Bikram Yoga etwas für dich. Stehst du auf dynamische und schwungvolle Bewegungen, dann würde ich Vinyasa Flow empfehlen. Sehnst du dich nach mehr Ruhe und möchtest gleichzeitig mehr Flexibilität in deinem Körper spüren, dann auf zum Yin Yoga.

Ich unterrichte in meinen Yoga Sessions eine Kombination aus kraftvollen und ruhigen Elementen. Ein kraftvoller und dynamischer Vinyasa Flow oder Hatha Yoga erweitert eigene körperliche und mentale Grenzen, stärkt das Selbstvertrauen und man spürt eine erfüllende Lebendigkeit. In einem eher ruhigen und passiven Stil wie Yin Yoga können wir bewusst loslassen lernen. Yin Yoga kann uns auf eine passive Art und Weise zeigen, wer wir sind. Wir werden flexibler und beweglicher, ob auf oder außerhalb der Matte. Dieser Mix aus Aktivität und Passivität ist ein guter Weg auch für Beginner, einerseits mehr innere Kraft und Stabilität aufzubauen & sich unabhängig zu machen und andererseits mehr Ruhe, Entspannung und Gelassenheit in den Alltag zu integrieren. Einfach mal ausprobieren! 🙂

Liebe Charleen, vielen lieben Dank! Wenn jemand Lust hat, mehr von dir zu erfahren, wo sollte er/sie nachschauen?

Gerne in meiner Facebook Gruppe
https://www.facebook.com/groups/yogamitcharly/

Bei Instagram
https://www.instagram.com/charleenfabian/

Facebook
https://www.facebook.com/yogamitcharly/

Website
https://goldenremembership.com

Aufgrund der aktuellen weltweiten Corona Krise lade ich dich ein mit mir und den anderen TeilnehmerInnen auf Spendenbasis in dieser Gruppe live Yoga und Meditation/Atemübungen ( Hatha/Vinyasa Flow & Yin Yoga) zu praktizieren. 


Über Charleen Fabian

Mein Name ist Charleen, ich arbeite als Yogalehrerin und Meditationslehrerin und leite von Herzen wundervolle Retreats. Ich bin absoluter Freigeist und liebe es zu reisen.

Ich glaube daran, dass wir alle Antworten in uns parat haben, die wir brauchen. Ich glaube daran, dass es jetzt die Zeit ist, in der wir uns erinnern und unser Vertrauen und unseren Glauben in uns selbst, bewusst wiedererlangen können. Es geht nicht mehr darum, wie wir von anderen gesehen werden, es geht viel mehr darum, dem eigenen Herzen zu folgen und sich von dem zu lösen, was unserem Herzen nicht mehr dienlich ist. Darin liegt das eigene Glück.


Dieses Interview zum Thema “Wie wichtig Yoga für dich ist” führte die Redaktion.


Teile den Artikel mit der Welt: