Die Kunst mit sich allein zu sein

Lisa Kofler LEISEmagazin

Wenn du alleine bist, dann kommen in dir viele verschiedene Ängste, Gefühle, Sorgen, Gedanken usw. hoch. Das ist vollkommen normal und darf auch so sein. 

Lisa Kofler, Gastautorin



Meine Sichtweise und warum Allein-sein eigentlich keine Kunst ist

In der heutigen Zeit sind wir beinahe nie alleine. Laute Städte, in denen wir uns zu jeder Zeit in das große Getümmel stürzen können, Vereine am Land, die uns die dabei helfen, nicht alleine zu sein oder zig tausend Verabredungen, die kaum in einem normalen Terminkalender Platz haben. Daneben ist das Handy immer in der Hand, sodass jeder immer und überall Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen kann. So sieht das Leben vieler Menschen aus – die meisten sind so sehr beschäftigt, sodass sie kaum eine freie Minute haben, in der sie „alleine“ sind. 

Ich gehe davon aus, dass dieses Leben oft bewusst so gewählt wird, um ja nicht hinschauen und sich nicht mit seinen Ängsten auseinandersetzen zu müssen. In diesem Beitrag teile ich meine Gedanken dazu und freue mich sehr, wenn ich dadurch den ein oder anderen inspirieren kann. 

Was bedeutet „Allein-sein“?

Im alltäglichen Sprachgebrauch bedeutet Allein-sein, dass wir alleine sind, ohne jemanden anderes. Wenn du beispielsweise alleine wohnst, dann bist du zu Hause alleine, wenn du alleine spazieren gehst, dann bist du alleine. Im Prinzip ist das Allein-sein ein temporärer Zustand, in dem wir nur mit uns selbst sind. Wer es aus spiritueller Sicht betrachten möchte, der weiß, dass Allein-sein „Alles ist eins“ bedeutet. Betrachtest du es aus dieser Perspektive, dann wirst du merken, dass du im Grunde nie alleine bist, weil du immer verbunden bist – auch dann, wenn jetzt gerade niemand in deiner Nähe ist. Du bist immer mit allem verbunden. 

Wie du das merken kannst? Gehe kurz in dich und spüre hin. In dir werden sicherlich sofort Erinnerungen an die Vergangenheit oder Vorstellungen, wie du die Zukunft verbringen magst, hochkommen. Mit diesen Ideen im Kopf bist du sofort nicht mehr alleine. Das heißt, dass du auch in Momenten, in denen niemand bei dir ist, nie alleine bist. Das mal zur eher pragmatischen Ansicht. Wer eine Stufe tiefer gehen möchte, der weiß, dass wir alle vom selben Ort kommen und demnach alle verbunden sind. Jeder Mensch ist ein Puzzleteil auf dieser Welt mit seiner ganz speziellen Aufgabe. 

Gefühl vs. Kopf vs. Verbundenheit

Wenn du alleine bist, dann kommen in dir viele verschiedene Ängste, Gefühle, Sorgen, Gedanken usw. hoch. Das ist vollkommen normal und darf auch so sein. 

Der Kopf wird verrückt, wenn er all diese Gedanken verarbeiten muss, viele beschreiben das Gefühl des Allein-seins als schlimm oder unangenehm und die meisten können die Verbundenheit gar nicht spüren. Die negativen Aspekte, die mit dem Gefühl des Allein-seins hochkommen, dürfen alle da sein und du musst dich auch nicht schlecht fühlen, wenn du dich dabei nicht gut fühlst. 

Ich möchte dir mit diesem Abschnitt erklären, dass das Allein-sein einfach ein Zustand ist – du bist gerade alleine, d.h. es sind gerade keine anderen Menschen da. Wenn du es herunterbrichst, ist es aber nicht mehr und nicht weniger. Du bist gerade ohne andere Menschen an einen bestimmten Ort. Dennoch ist – auch, wenn sich der Kopf dagegen auflehnt – die Verbundenheit zu anderen immer da. 

Erst, wenn du die Bewertung reingibst, kann es sich gut oder eben auch schlecht anfühlen. Tendenziell empfinden viele Menschen das Gefühl des Allein-seins als negativ. 

Das kann aus bestimmten Gründen so sein: 

  • Zum einen sind Menschen soziale Wesen und im Reptiliengehirn ist es noch so verankert, dass wir eine Gemeinschaft brauchen, um zu überleben. Aus diesem Grund wollen wir mit anderen Menschen zusammen sein. 
  • Daneben bedeutet Alleinsein bereits für Kinder etwas Negatives. Die Eltern sind plötzlich weg und man muss sich alleine beschäftigen. Das zieht sich weiter bis ins erwachsene Alter. Auch da kann es unbequem werden, wenn wir uns einfach mal nur mit uns selbst beschäftigen müssen. Zig Gedanken kommen hoch und die innere Stimme wird lauter. Das kann für die ein oder anderen Personen sehr unangenehm sein. Vor allem dann, wenn du diese innere Stimme immer unterdrückt hast. 
  • Allein-sein ist wohl eine der tiefsten Grundängste, die ein Mensch empfinden kann. 

Das sind wohl die häufigsten Gründe, warum wir uns schlecht fühlen, wenn wir alleine sind. Nicht nur der Kopf ist mit der Situation überfordert, sondern auch gefühlsmäßig tun wir uns schwer damit. Dennoch verspüren immer mehr Menschen ein wohliges Gefühl beim Gedanken, etwas alleine tun zu können, alleine zu sein und einfach mal nur zu sein – so wie man ist. 

Welche positiven Aspekte gehen mit dem Allein-sein einher?

Während der Großteil der Menschen sich nach wie vor schwer mit dem Allein-sein tut, möchte ich dir ein paar wertvolle Inspirationen auf den Weg gehen. Wie kannst du die Zeit allein nutzen und warum ist es keine richtige Kunst, alleine zu sein? Viel mehr ist es auch für dich eine Kunst, immer unter Menschen sein zu müssen. Denn damit geht häufig deutlich viel mehr Kraftaufwand einher, als sich täglich oder mehrmals pro Woche Zeit für sich zu nehmen. 

Warum? Viele Menschen müssen sich in der Gesellschaft anpassen, merken dies aber gar nicht. Wenn du dich nach bestimmten sozialen Treffen aber müde und fertig fühlst, dann kannst du davon ausgehen, dass dich das Treffen viel Energie gekostet hat. 

Räume dein Leben auf

Die Zeit alleine kann perfekt dafür genutzt werden, dein Leben aufzuräumen. Damit meine ich nicht zwingend, dass du deine Wohnung auf Vordermann bringst. Wer ständig abgelenkt ist, der wird sich kaum an seine Visionen, Wünsche und Ideen für das eigene Leben hinsetzen, oder? Wenn du aber alleine bist, kannst du dir die Zeit nehmen, und dein Leben hinterfragen. Wenn du alleine bist und dir langweilig ist, entstehen häufig die schönsten Ideen und Projekte. Weißt du warum? Weil du genau im Zustand vom Allein-sein mit DIR selbst verbunden bist. Menschen, die mit ihrem Inneren in Verbindung sind, können große Dinge schaffen. Das nennt man auch nach seinem Herzen zu leben. 

Was tut dir gut?

Durch die Zeit mit dir alleine wirst du merken, dass du häufig Dinge tust, die du gar nicht gerne machst. Sie sind einfach so normal, aber im Endeffekt stressen sie dich und tun dir gar nicht gut. Erst, wenn du die Zeit für dich alleine nutzt, kannst du spüren, was du willst und wohin du möchtest. Diese ersten beiden Punkte gehen miteinander einher. Deshalb ist es so wichtig, dass du dir Zeit alleine gönnst, um dein Leben nach deiner wahren Intention auszurichten. So kann dein ganzes Leben neu umstrukturiert und gewandelt werden.

Intensivere Kontakte zu anderen

Natürlich bedeutet das Allein-sein nicht, dass du dich mit keinen Menschen mehr treffen darfst. Je mehr du zu dir gefunden hast, desto authentischer bist du auch. So kannst du genau die Menschen in dein Leben ziehen, die gerade richtig für dich sind. Bei diesen Menschen musst du dich dann weder verstellen noch irgendwie unauthentisch reagieren. Findest du zu dir, kennst du dich, dann kannst du sicher sein, dass neue Menschen in dein Leben kommen werden, mit denen du auf einer Wellenlänge bist. So kannst du Zeit alleine dafür nutzen, um die Zeit mit anderen intensiver zu machen und gemeinsam Projekte zu kreieren. 

Fazit: Warum ist Allein-sein also keine Kunst?

Für viele Menschen ist es zu Beginn eine Kunst, alleine zu sein. Aber mit der Zeit merken die meisten wie gut es tut, einfach mal nichts tun zu müssen, einfach zu sein, wie man ist – ohne sich zu verstellen. Erst durch das Allein-sein findet man zu sich selbst. Aus diesem Grund bezeichne ich das Allein-sein als Chance für sich selbst und auch sein Leben. Denn damit kann ganz viel Schönes kreiert werden und vor allem, kann man erst durch das Allein-sein die sozialen Kontakte so richtig schätzen. Die Zeit alleine braucht es, um sich selbst zu finden, zu wissen, wer man ist, wohin man möchte und was die eigenen Ziele sind. Außerhalb von Energien von anderen kannst du für dich diese Dinge herausfinden. Die Kunst ist es nicht Allein zu sein, sondern den Mut zu haben, es sich zuzutrauen, Zeit nur mit sich selbst zu verbringen. Die Kunst Allein zu sein, liegt darin, es sich wert zu sein, sich in diesen Zustand zu begeben. 

Sei mutig und probiere es aus – und wisse, du bist NIE allein, sondern immer mit dir zusammen! Das braucht Mut und Vertrauen: in dich selbst und dem Universum. 


Über Lisa Kofler

Lisa Kofler LEISEmagazin

Seit ein paar Jahren bin ich auf dem Weg, mich selbst besser kennenzulernen. Es ist ein Weg, der nie endet. Schicht für Schicht ent-wickele ich mich weiter. Mein Fokus liegt darin, Menschen zu inspirieren, sie auf ihren Weg zu bringen. Mir ist ein möglichst naturnahes, natürliches Leben sehr wichtig – mit Mensch und Tier. Ich schreibe leidenschaftlich gerne und teile meine Gedichte, Gedanken und Gefühle auf Instagram und in meinen Podcast (bewusst.hier.sein). Ich wohne im schönen Südtirol und wünsche mir meine Vision in „Gemeinschaft“ mit gleichgesinnten Menschen zu verwirklichen.
Lisa auf Instagram: BEWUSST.HIER.SEIN

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