Aus einer Krise ein Chance machen - 5 LEISEfragen an Christoph Heribert
Aus einer Krise eine Chance machen - Christoph Heribert - LEISEmagazin

Klar, Krisen sind hart. Besonders während man mittendrin steckt. Doch wenn du mal ganz ehrlich bist, wann hast du im Leben am meisten gelernt: wenn alles easy peasy oder schwierig und herausfordernd war?

Christoph Heribert

Der innere Kompass

Lieber Chris, wie schön, dass du an unserem Format 5 LEISEfragen teilnimmst. Du hilfst Menschen als Kompasscoach, ihre innere Ausrichtung zu finden. Momentan scheint es so, als würde sich das Magnetfeld der Erde verschieben und Norden plötzlich nach Süden zeigen. Worauf kommt es deiner Meinung nach an, dass wir jetzt nicht die Orientierung verlieren?

Hey an alle Leser*innen erstmal! Danke, dass ich dabei sein und meinen Senf dazu geben darf. Um zur Frage zu kommen:
Besonders jetzt, in einer Zeit, die uns wohl so sehr fordert wie lange nichts mehr, kommt es meiner Meinung nach auf eine Sache an: innere Klarheit! Jede*r kennt das Problem doch: gerade lief irgendwie alles ganz gut, auf einmal kommt eine Krise dazwischen (das muss nicht mal so etwas Großes sein wie Corona) und ZACK, alles wird genullt. Wir fangen an, uns Fragen zu stellen. Wir beleuchten unsere Situation und stellen fest: wow, viel zu viel! Wo soll ich da nur anfangen? 

Ganz einfach: bei mir selbst! Niemand außer dir selbst kennt die Antworten auf all deine Fragen. Je mehr du dich (gerade) jetzt mit dir selbst und deiner inneren Klarheit beschäftigst, desto eher wirst du gestärkt aus dieser (und jeder) Krise hervorgehen – versprochen! 

Der eigene Anspruch

 Je früher die Erkenntnis der inneren Ausrichtung greift, desto beweglicher scheinen die Menschen zu sein. Trotzdem erlebt man immer wieder, dass trotz der Fülle an Informationen, wie man sein „Traumleben“ lebt, die Hürden schier unüberwindbar scheinen. Woran liegt es, dass Menschen immer wieder an sich und ihren Erwartungen scheitern und nicht ins Tun kommen?

Die Angst vor dem Versagen! Sie hält uns davon ab, überhaupt erst ins Handeln zu kommen. Immer wenn wir Dinge zum ersten Mal machen – ganz ohne Druck und Erwartungen – fühlen wir uns unbeschwert und leicht. Kommt jedoch eine gewisse Anspannung dazu, indem wir selbst etwas erwarten, hört das schnell auf. Warum? Weil wir, selbst wenn wir wissen, wohin es gehen soll, nicht wissen, was am Ende wirklich wartet. Es kommen schnell Fragen auf, die der innere Zweifler (wir alle kennen ihn) hervorbringt: „meinst du, das klappt wirklich?“, „solltest du nicht etwas einfacheres machen?“ Oder auch „das kannst du nicht, das konntest du noch nie!“. Genau diese Angst, die ja nie im Hier und Jetzt, sondern immer ein Szenario in der Zukunft ist, hält uns davon ab, unser volles Potenzial zu leben. 

Finde zu dir selbst

 Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Wir stehen vor einem kollektiven Neuanfang und selbst der größte Kritiker an der eigenen Person (meistens wir) findet schwer Argumente, einen Lebenswandel aufzuhalten. Wie schafft man es, die aktuelle Zeit zu nutzen, um seinen Kompass wieder – oder genau jetzt – einzunorden?

Wie bereits in Frage 1: innere Klarheit! In einer Coaching-Session fiel mir vor Kurzem ein Satz ein, den ich spontan in diesem Zusammenhang brachte: „Du kannst noch so ein guter Autofahrer sein – solange deine Scheiben beschlagen sind, wird Dir das nichts bringen.“ Soll heißen: Auch wenn wir fest davon überzeugt sind, auf dem richtigen Weg zu sein und dass sich alles schon richten wird, bringt das alles nichts, solange wir nicht wirklich die Ursache(n) kennen! Es gilt also jetzt und für immer: finde zu dir selbst, die Zeit dafür war nie besser! Heute gibt es derart viele Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln (ja, sogar kostenlos, auch wenn das nicht immer die besser Option ist), dass es meiner Meinung nach schon grob fahrlässig ist, dies immer noch nicht zu tun! Ach, und eins dazu noch: „ich habe keine Zeit“ ist jetzt eher eine schlechte Ausrede geworden #stayhome.

Was motiviert dich?

Ok, let´s go: Ich kaufe mir ein Buch, einen Online-Kurs und höre nächtelang Podcasts. Ich fühle mich für wenige Tage oder Wochen unaufhaltbar. Ich kann für einen kurzen Moment durch den Nebel schauen, der die letzten Jahre mein Haus umgab. Doch dann schleichen sich wieder negative Gedanken in mein tägliches Tun. Ich beginne zu zweifeln und stelle fest, dass andere ohnehin weiter und besser sind. Wie schafft man es, sich für lange Zeit zu motivieren und vor kleinen Hürden nicht stehen zu bleiben?

Motivation is Bullshit! Nicht umsonst hieß mein Podcast lange (100 Folgen) so. Aber lass uns hier kurz unterscheiden, in intrinsisch und extrinsisch motiviert. Denn nicht jede Art von Motivation ist schlecht. Immerhin bringt sie uns dazu, unseren Popo ins Gym zu bewegen, mit dem Hund eine Runde mehr Gassi zu gehen oder endlich die Steuern zu machen. Doch warum verpufft diese „Motivation“ bloß immer so schnell? Ich wollte doch viermal die Woche ins Gym, sitze stattdessen aber wieder mit Chips zuhause auf der Couch, hm. Des Rätsels Lösung: Du bist nicht intrinsisch motiviert, sprich, du weißt nicht, wofür du tust, was du gerade tust! Was ist der Grund dahinter, was ist dein „Warum“ (mittlerweile echt inflationär gebraucht, aber immer noch ein super Tool) – wofür stehst du morgens auf? Wenn deine Antwort eine halb läppische und nicht zufriedenstellende ist, darfst du dich fragen: was muss ich tun, um diesem „Warum“ näher zu kommen?

Hier liegt oft eine Antwort versteckt, die wir so nicht kannten. Ich selbst habe zweieinhalb Jahre lang an einer teuren Privatuni studiert, weil ich dachte, das Prestige, welches mit meinem Studiengang einher ging, würde mich schon glücklich machen. Pustekuchen! Hier war ich maximal extrinsisch motiviert – was sich in meinen Noten niederschlug. Ich zog also die Reißleine, erkundete mich selbst, schaffte mir innere Klarheit und richtete meinen Kompass neu aus. Heute arbeite ich mit Menschen genau an den Dingen, über die ich hier schreibe – und siehe da: ich habe Freude und weiß, wofür ich morgens aufstehe. Um Menschen dabei zu verhelfen, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Probier es einfach mal, fühlt sich klasse an! 

Krise als Chance

Viele Menschen stecken aktuell in einer Lage, die mit dem Wort Krise die Gefühlswelt ziemlich gut beschreibt. Überall hört man, dass eine Krise ebenso eine Chance ist, doch mittendrin endlos erscheint. Wie kann jeder für sich seinen Kompass auf den positiven Aspekt der Krise legen und diesen als Motivation für sein zukünftiges Leben nutzen?

Nimm dir eine beliebige Situation aus deinem Leben, die dir schwierig erschien. Das kann sein, als du gefeuert, von deinem Partner*in verlassen wurdest oder einfach mal so richtig Mist gebaut hast, der dir hinterher leid tat. Was haben all diese Situationen gemeinsam? Du hast (hoffentlich) etwas daraus gelernt! Und genau das ist sie, diese „Krise“: eine weitere Chance, etwas dazu zu lernen, was du so vorher nicht wusstest oder kanntest. Eine Erfahrung zu machen, die vorher im Verborgenen lag. Klar, Krisen sind hart. Besonders während man mittendrin steckt. Doch wenn du mal ganz ehrlich bist, wann hast du im Leben am meisten gelernt: wenn alles easy peasy oder schwierig und herausfordernd war? Siehst du, dachte ich mir. Neuronal gesehen wollen wir Schmerz vermeiden, klar. Doch wenn wir anfangen uns zu fragen, was hinter diesem Schmerz (auch genannt: die Komfortzone zu verlassen) steht, stellen wir schnell fest, dass hier die „Lernzone“ und „Wachstumszone“ beginnt. Und hier gilt es hinzukommen. Insofern kann man getrost behaupten: Jede Krise ist zugleich eine Chance! 

Lieber Chris, vielen lieben Dank! Wenn jemand Lust hast mehr von dir zu erfahren, wo sollte er/sie nachschauen?

Lieben Dank für dieses wunderbare Magazin und die damit einhergehende Möglichkeit! Ich befasse mich viel mit den von mir beschriebenen Themen. Daher findet man mich auf Instagram unter „christophheribert“, auf meiner Website unter www.chvm.de und natürlich auf iTunes und Spotify, wo es meinen Podcast „Hidden Chvmps“ zu hören gibt! Darüber hinaus habe ich eine Facebook-Gruppe, in der ich Live-Coachings gebe und in der es ein kostenloses ePaper zu dem Thema: „3 Schritte, wie du die Corona-Krise zu deiner persönlichen Chance machst“ zu finden und herunterladen gibt. Danke!

Über Christoph Heribert

Aus einer Krise eine Chance machen - Christoph Heribert - LEISEmagazin

Mein Leben verlief alles andere als geradlinig. Nachdem ich zweieinhalb Jahre privat studierte, stellte ich fest, dass ich einen Punkt erreicht hatte, den ich gern “Point of no return” nenne. Zwar wusste ich, dass ich hier falsch war, ändern wollte ich es allerdings nicht mehr. Zu viel Zeit und Geld waren bereits “investiert”.
Nachdem ich mich schließlich durchringen konnte, das Studium doch abzubrechen, ging es erst so richtig los. Mein Weg führte mich irgendwann zur Persönlichkeitsentwicklung. Ich verschlang Bücher über Bücher und stelle fest, dass es nur an mir selbst lag, die Dinge im Leben zu ändern. Gesagt, getan.

Im Februar 2018 startete ich meinen Podcast “Motivation is Bullsh*t”, in dem ich darüber sprach, wie junge Menschen wieder zu mehr Selbstvertrauen finden können, um das Leben zu leben, das sie sich wünschen.
Daraufhin folgte der Start meines eigenen Coachings, damit ich Menschen das zurückgeben konnte, was ich selbst jahrelang gelernt hatte: Selbstwirksamkeit.

Das Interview zum Thema “Aus einer Krise eine Chance machen, führte die Redaktion.

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